Erinnerung an Woodstock

Dieses Buch bei Amazon Was nicht so alles passieren kann,wenn ein paar hundertausend Leute zuviel kommen, die Toiletten knapp werden,es tagelang regnet und sich dann noch Bomber in Schmetterlinge verwandeln.

Das Woodstock-Festival hat seinen Namen von einem kleinen amerikanischen Ort,ca. 100 Meilen entfernt von Manhattan. Das Festival fand allerdings nicht dort,sondern 80 km entfernt im Ort Bethel statt. Es dauerte offiziell von Freitag den 15. bis Sonntag den 17. August 1969 und ist einer der ganz großen Momente des Zwanzigsten Jahrhunderts.

Die Künstler,welche dabei auftraten,waren: Joan Baez, The Band, Blood Sweat & Tears, The Paul Butterfield Bluesband, Canned Heat, Joe Cocker, Judy Collins, Country Joe Mc Donald & the Fish, Creedence Clearwater Revival, Crosby Stills & Nash, The Greatful Dead, Arlo Guthrie, Tim Hardin, The Keith Hartley Band, Richie Havens, Jimi Hendrix, Incredible Sting Band, The Jefferson Airplane, Janis Joplin, Melanie, Mountain, Quill, Santana, John Sebastian, Sha-Na-Na, Ravi Shankar, Sly & The Family Stone, Bert Sommer Sweetwater, Ten Years After, The Who, Johnny Winter, Neil Young.

Die Besucher des "Woodstock Music & Arts Fair" kampierten auf einem 250 Hektar großen Farmgelände. Das Besondere an diesem Ereignis war die Besucherzahl - geschätzt zwischen 400000 und 500000 - und vor allem die enorme Friedlichkeit der Besucher. Das Konzert gilt als Höhepunkt der Hippie-Ära,es ist ein Symbol für die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts.

Es war ein Ereignis,bei dem fast eine halbe Million junge Menschen drei Tage lang die Begriffe Teilen,Helfen, Respekt und Rücksicht kennen lernten. Zugleich wurden bei Woodstock extrem viele Drogen konsumiert - womit manche Leute die Friedfertigkeit der Besucher erklären. Außerdem war das Festival auch dadurch ziemlich revolutionär,das die Leute einfach nackt herum liefen,wenn ihnen danach war. Sex war kein Tabu. Dies war für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich.

Die Behörden der Stadt Bethel,des Distriktes Sullivan County und des Staates New York waren nicht auf so viele Besucher vorbereitet,deshalb brach bereits zwei Tage vor dem Festival das absolute Verkehrschaos aus - bis zu 20 Meilen lange Autoschlangen sperrten den New York State Thruway und verursachten einen der schlimmsten Staus der Nation.

Es gab während dem Festival drei Geburten und drei Todesfälle, allerdings keinerlei Einbrüche oder Gewalttaten in der Umgebung (abgesehen davon,das ein Richter von einem Bekifften niedergeschlagen wurde). Die Hauptprobleme waren vor allem das unerlaubte Betreten von Grundstücken und der Drogenkonsum. Den meisten Beamten in den kommunalen und staatlichen Behörden gefiel das Konzert nicht. Daher wurden kurz darauf einige Gesetze erlassen,die verhinderten,das es so etwas je wieder geben würde.


Die Vorgeschichte

Das Festival wurde von vier sehr unterschiedlichen,jungen Männern organisiert und finanziert: John Roberts,Joel Rosenman,Artie Kornfeld und Michael Lang.

John Roberts (26) war Erbe reicher Eltern und Besitzer eines Multi Millionen-Dollar-Treuhand Vermögens. Er gab das meiste Geld für das Festival. Seinen Freund Joel Rosenman (24) lernte er 1967 auf einem Golfplatz kennen. Die beiden wollten eine Fernsehkomödie schreiben,in der es um zwei Freunde mit mehr Geld als Hirn ging,die ständig auf neue Geschäftsabenteuer eingingen. Um Ideen dafür zu bekommen,setzten sie im März 1968 eine Anzeige in die New York Times: "Junge Männer mit unbegrenztem Kapital suchen nach interessanten und legalen Investitionsmöglichkeiten und Geschäftsvorschlägen."

Michael Lang (23) war Manager einer Rockgruppe und wollte bei Capital Records einen Plattenvertrag für diese Band besorgen. Dabei lernte er den Vizepräsident von Capital Records - Artie Kornfeld (25) - kennen. Die beiden kamen ins Gespräch und trafen sich öfters,um sich stundenlang zu unterhalten. Dabei kamen allerlei Ideen heraus,z.B. wollten sie ein Aufnahmestudio in einem kleinen Dorf namens Woodstock bauen - es sollte den "Zurück-zur-Natur"-Geist der Hippie-Kultur widerspiegeln,außerdem hatten sich in den letzten Jahren viele bekannte Musiker wie z.B. Bob Dylan,Jimi Hendrix und Janis Joplin in der Nähe angesiedelt,die selbstverständlich ein modernes Aufnahmestudio haben wollten. Schließlich sah der Anwalt von Lang und Kornfeld die Anzeige in der New York Times,worauf sich alle vier trafen.

Heute noch wird darüber diskutiert,wer die Idee mit dem Festival hatte. Man einigte sich schließlich,die Einnahmen des Konzerts dazu zu benutzen,das Aufnahmestudio zu bauen. Ursprünglich war das Ganze als kleinere Party geplant, aber bereits bei ihrem dritten Treffen war das Festival schon für 50000 Besucher konzipiert - das hatte es noch nie gegeben. Schließlich wurde in Anlehnung an den verrückten kleinen Ort die Firma "Woodstock Ventures Inc." gegründet,von der jeder 25 Prozent Geschäftsanteil bekam.

Nach längerem Suchen fanden sie ein Gelände in einem Industriegebiet in Wallkill,allerdings passte das nicht so ganz in das "Zurück-zur-Natur"-Schema,deshalb wurde, während die Vorbereitungen schon liefen,nach einem anderen Ort weiter gesucht. Anfang April ī69 wurden Anzeigen in Untergrund-Zeitungen wie den Rolling Stone und ab Mai auch in etablierte Zeitungen wie die New York Times gesetzt. In den Anzeigen wurden die Symbole und Parolen der Hippie-Kultur benutzt,z.B. das Peace-Zeichen oder der Slogan "Drei Tage Frieden und Musik",der ein Antikriegs-Gefühl herstellen und Gewalt vermeiden sollte.

Dann wurde versucht,die größten Rockbands Amerikas zu engagieren. Diese zögerten,weil ihnen die Sache nicht sehr glaubhaft erschien. Schließlich wurde das Problem durch extrem hohe Gagen gelöst. Der große Durchbruch gelang mit der Einstellung von The Jefferson Airplane,der damals besten psychodelischen Band,für 12000 Dollar - normalerweise trat die Gruppe für die Hälfte auf. Anschließend kamen Creedence Clearwater Revival für 11500 Dollar und The Who für 12500 Dollar Der Rest folgte. Insgesamt gab Woodstock Ventures 180000 Dollar für Musiker aus.

In Wallkill begannen die Leute sich zu beschweren. Sie hatten Angst davor,die Hippies könnten randalieren machen,ihren Kindern Drogen verkaufen usw. Deshalb stellte Ventures einen Pfarrer ein,der dafür zuständig war,die Leute im Ort zu beruhigen.

Ein örtlicher Radio-Händler wurde gebeten,eine Soundanlage für 50000 bis 100000 Menschen zusammenzustellen - er hielt die Veranstalter aber für verrückt. Diese Besucherzahl war damals völlig unglaublich. Der Händler sagt heute,dies würde,auf heutige Verhältnisse "umgerechnet",30 Millionen Menschen gleichkommen. Schließlich war die Soundanlage fertig - sie fügte bei geringster Verstärkerstufe jedem,der zehn Fuß entfernt stand,noch Schmerzen zu.

Ventures versuchte,eine Film-Gesellschaft zu finden,die das Festival filmte. Aber keine erklärte sich dazu bereit. Schließlich wurde Michael Wadleigh eingestellt,der schon öfters Dokumentarfilme gemacht hatte, aber erst durch Woodstock richtig gut wurde. Er nahm das Angebot trotz der geringen Bezahlung an. Inzwischen gab es in Wallkill nach mehreren Gemeinderatssitzungen immer mehr Streit zwischen den Behörden und den Veranstaltern. Das ging sogar bis zu anonymen Anrufen und Bombendrohungen von Seiten der Einwohner in Wallkill.

Die Veranstalter schalteten weiter Anzeigen in allen möglichen Zeitungen,sowie in Radiostationen in Los Angeles,San Francisco,New York,Boston,Texas und Washington D.C. Darin wurde Woodstock als "Wochenende auf dem Lande und zeitweilige Kommune" angekündigt. Ein Konzertticket beinhaltete gleichzeitig einen Zeltplatz. Weil für den Zeltplatz Organisation benötigt wurde,zog Stan Goldstein,der für den Campingplatz zuständig war,im Juni die Hog Farm zu Rate. Die Hog Farm war ursprünglich eine kommunale Schweinefarm in Kalifornien gewesen. Ihre Mitglieder hatten schließlich Land neben einem Reservat der Hopi-Indianer in New Mexico gekauft. Der Leiter der Hog Farm,ein alter Hippie,dessen richtiger Name Hugh Romney war,der sich selbst aber immer nur Wavy Gravy nannte,war die Verbindung zu den Massen,denn viele hatten noch nie im Freien geschlafen.

Am 15. Juli 1969 wurde das Festival von der Stadt Walllkill offiziell verboten,weil die benutzten Außentoiletten angeblich illegal und die Pläne der Organisatoren nicht vollständig waren. Außerdem war einige Wochen zuvor beschlossen worden,daß für Versammlungen mit über 5000 Menschen eine besondere Genehmigung benötigt wurde.

Viele Kritiker meinten,dieses Gesetz sei einzig dazu erlassen worden, Woodstock zu verbieten. Im Grunde genommen war das Verbot für Ventures nur vorteilhaft. Denn da in einem Leitartikel des Times Herald Record gegen das Gesetz protestiert worden war,hatte Woodstock viele kostenlose Publicity bekommen. Außerdem - so Michael Lang - hätte die Stimmung in Wallkill nur zu Unruhen geführt.

Für Michael Wadleigh war das Verbot nicht so erfreulich. Kodak wollte Geld für die Ausrüstung,aber die Filmcrew bekam kein Geld im Voraus,deshalb hatte Wadleigh 50000 Dollar aus eigener Tasche bezahlt. Als er hörte,daß das Festival verboten worden war,bekam er Existenzangst. Elliot Tiber las in der Zeitung davon,daß Woodstock verboten worden war. Er war Hotelbesitzer in White Lake,nahe Bethel,und wollte ein Mini-Festival veranstalten,um sein Hotelgeschäft wieder zu beleben. Er rief sofort bei Woodstock Ventures an. Ungefähr am 18. Juli kam Michael Lang in White Lake vorbei und sah sich das Festivalgelände an. Es war viel zu klein - nur 15 Hektar. Aber Tiber hatte einen Freund,den Farmer Max Yasgur,ein Milchbauer mit einer riesigen Farm in Bethel. Yasgur und Lang trafen sich auf dem Feld. Das Grundstück war perfekt. Abschüssiges Gelände, eine kleine Erhebung für die Bühne,ein See im Hintergrund. Der Vertrag wurde gleich auf dem Feld abgeschlossen. Lang wollte 600 Hektar,die allerdings auch nur ein Teil der riesigen Farm waren.

Allmählich merkten die Leute in Bethel,daß Woodstock in ihrem Ort stattfinden würde. Die Veranstalter wollten sie beruhigen,indem sie nur von 50000 Besuchern redeten,obwohl sie in Wirklichkeit mit einer Viertelmillion rechneten. Am 20. Juli 1969 sprach die ganze Welt vom ersten Menschen auf dem Mond. Aber in Bethel drehte sich alles um "dieses Hippie-Festival". In dem 3900-Seelen-Ort unterschrieben 800 eine Petition,um das Festival zu stoppen.

Ventures wollte die Besucher durch ein Pre-Festival überzeugen,es wurde extra eine Theatergruppe eingeladen. Das war ein Fehler. Die Gruppe legte die Kleider ab und schrie Obszönitäten ins Publikum. Die Opposition veranstaltete eine Barrikade auf der Route 17B,um das Konzert im letzten Moment zu verhindern. Es nützte aber nichts. Dienstag nachts gegen zwei Uhr kamen die ersten Besucher an. Auch Wavy Gravy kam mit 85 Hog Farmern und 15 Hopi-Indianern an,die sozusagen zur "Hippie-Polizei" wurden. Endlich schloss Ventures einen Filmvertrag mit Warner Brothers ab. Michael Wadleigh holte ca. 100 Leute aus der New Yorker Filmszene,die unter dem Leitsatz "doppelt oder nichts" arbeiteten - würde der Film ein Erfolg werden,würde es das Doppelte der normalen Bezahlung geben,ansonsten nichts. Am Donnerstag gab es schon einen Stau von der Route 17B bis zur Route 17 - das waren zehn Meilen.


Freitag - erster Tag

Ursprünglich waren zwei Dutzend Kassenhäuschen geplant,am Ende wurden allerdings nur zwei oder drei aufgestellt,da es einfach zu wenig Platz gab - es waren schon zu viele Leute da,überall standen Zelte und lag Müll herum.

Am Morgen rollten drei Busse mit mehr als 100 Polizisten aus New York an,die speziell wegen ihrer ruhigen Haltung und ihrer cleveren Art ausgewählt worden waren. In Bethel wurde ihnen aber von den örtlichen Behörden mitgeteilt,daß disziplinarische Maßnahmen eingeleitet werden würden,wenn sie eingriffen. Deshalb faulenzten die meisten während des Festivals. Dennoch arbeiteten einige für Woodstock Ventures unter anderem Namen - für 90 Dollar am Tag. Daher gab es auf der Gehaltsliste von Ventures auch acht oder neun Männer mit dem Namen Mickey Mouse.

Inzwischen gab es Ärger mit der örtlichen Polizei,die eigentlich den Verkehr regeln sollte. Die Polizei meinte,es gäbe nichts zu regeln - es würden sowieso alle Autos im Stau stehen. Die Veranstalter beauftragten die Polizisten,die Hippies zum Parken auf Felder zu führen - die Polizei aber weigerte sich. Ventures erklärte Woodstock jetzt offiziell für kostenlos,denn

* es hatten 200000 Leute keine Eintrittskarte,und man hätte sie schlecht wieder nach Hause schicken können

* es gab es nicht genug Kassenhäuschen und

* Zuseher hatten den Begrenzungszaun sowieso schon niedergerissen und waren einfach hineingegangen.

Jetzt gab es ein neues Problem: es gab nicht genug Essen. Die Veranstalter schätzten,daß ca. 750000 belegte Brote benötigt wurden. Es musste sogar von der Newburgh Stewart Air Force Basis Essen per Flugzeug eingeflogen werden.

Der erste Tag war als Tag der Folkmusik geplant,mit Joan Baez als Hauptact und einem Vorprogramm mit Tim Hardin,Arlo Guthrie und anderen. Die geplante Anfangszeit war 16 Uhr. Das Problem war: Die Künstler waren meilenweit in Hotels verstreut und konnten nicht kommen, weil die Straßen durch die Verkehrsstaus vollkommen versperrt waren. Daher wurden Hubschrauber für die Sänger und andere Lieferungen benötigt. Die Hubschrauber verspäteten sich jedoch. Schließlich kam um 16:00 endlich ein Viersitzer,der aber nur einzelne Künstler transportieren konnte. Michael Lang hatte die Wahl: Entweder ließ er jetzt Tim Hardin auftreten,der irgendwie bekifft herum hing,oder Richie Havens,der aussah,als wäre er bereit. Also trat Richie Havens auf.

Die drei tage der Liebe,des Friedens und der Musik begannen dann endlich am 15.August 1969 um 17.07 Uhr Ortszeit.

Havens musste jedes mal weitermachen,wenn er aufhören wollte, denn die anderen Künstler waren immer noch nicht da. Nach drei Stunden (Havens hatte inzwischen schon improvisieren müssen) landete ein Armeehubschrauber mit musikalischer Verstärkung. Das war eigentlich paradox: Ein Festival für eine Menge von Kriegsgegnern hätte ohne die Armee vielleicht nicht stattgefunden. Zitat Richie Havens: "Wir waren niemals gegen Soldaten. Wir waren nur gegen den Krieg." Nach Richie Havens spielte Country Joe McDonald und improvisierte den berühmten "Fish Cheer",einen Antikriegssong,der die Menge begeisterte.

John Sebastian,der ehemalige Leadsänger und Gitarrist der Gruppe Lovinī Spoonful wurde in der Menge entdeckt und auf die Bühne geschleppt,wo er einige Lieder sang. Danach spielten Sly & The Family Stone. Um Mitternacht begann es stark zu regnen,und innerhalb von drei Stunden fielen 15 cm Regen. Um zwei Uhr sangen Joan Baez,der absolute Star,und Melanie, eine völlig unbekannte Sängerin,vor einer halben Million völlig durchnässter Menschen.


Samstag - zweiter Tag

Der Plan für Samstag war härtere Rockmusik mit The Who,The Jefferson Airplane,Janis Joplin,Creedence Clearwater Revival,The Grateful Dead,Canned Heat,Mountain und Santana. Die Musik war von sieben Uhr morgens bis Mitternacht geplant. Es bestand aber die Angst,daß eine gelangweilte Menge Schaden anrichten könne,also wurden die Künstler gebeten,doppelt so lang zu spielen,womit die meisten auch einverstanden waren. Daher ging die Musik bis zum Morgengrauen des Sonntags.

Am Samstag morgen wurde ein 17jähriger,der sich seinen Schlafsack über den Kopf gezogen hatte,von einem Traktorfahrer übersehen und überfahren - er war sofort tot. Eine Krankenstation mit drei Abteilungen wurde aufgebaut - die erste Abteilung war für Leute mit Halluzinationen von schlechten Trips,die zweite für die,die sich die Füße zerschnitten hatten,weil sie auf irgendwelche Glasscherben oder Flaschen getreten waren,und die dritte für Leute mit einer typischen Woodstock-Krankheit: verbrannte Augen - das kam daher,daß viele Besucher den ganzen Tag auf dem Rücken lagen und in die Sonne schauten.

Schon wieder gab es Transportprobleme: die Straßen waren immer noch verstopft,und die Hubschrauber hatten zuwenig Ladeplatz. Jetzt stoppte auch noch die Show: Janis Joplin, The Who und The Grateful Dead wollten nicht spielen,ihre Manager verlangten die Gage im Voraus. Die Veranstalter fürchteten,die Fans könnten randalieren,wenn die Bands nicht spielten,deshalb baten sie die Filiale der Sullivan County Nationalbank in White Lake,ihnen einen Kredit zu geben. Da diese wusste,daß John Roberts ein Treuhandvermögen von mehr als 1000000 Dollar besaß,bekamen die Veranstalter das Geld. Schließlich traten The Grateful Dead auf - viele meinen,es wäre ihr schlechtester Auftritt überhaupt gewesen. Das war auch nicht verwunderlich: Sie standen im Wasser und erhielten elektrische Schläge,wenn sie die Gitarren anfassten.

The Who hatten im Juni ihre Rock Oper "Tommy" veröffentlicht,sie sangen daraus den Titelsong "See Me,Feel Me". Abbie Hoffman,ein Mediziner, der schon seit Eröffnung des Festivals ununterbrochen im Medizinerzelt gearbeitet hatte und Acid-Tabletten geschluckt hatte,um wach zu bleiben - er war daher mehr oder weniger high - ging ans Mikro und stammelte einige Sätze über einen Teenager aus Michigan,der wegen Besitzes von zwei Marihuana-Zigaretten zu zehn Jahren Haft verurteilt worden war. Der Gitarrist von The Who,Pete Townshend,dem ein unbekannter "Spaßvogel LSD in den Tee gemischt hatte,erkannte ihn nicht und meinte es sei irgendein ausgeflippter Fan. Daher schlug er ihm seine Gitarre über den Kopf - Hoffmann kippte um,es geschah ihm aber nichts Schlimmeres. Zwanzig Jahre später sagte Townsend in einem Interview über Woodstock,es sei für ihn die Hölle gewesen. Er wartete stundenlang auf einen Helikopter welcher ihn ausfliegen sollte,und hatte nur einen Wunsch: "Weg von hier!"


Sonntag - dritter Tag

Am Sonntag morgen spielte The Jefferson Airplane. Ein Bekiffter suchte in einigen Hotel-Bungalows,die einem Richter gehörten, nach einem Arzt. Dieser erklärte ihm,er würde hier keinen finden,und schickte ihn weg. Der Hippie schlug ihm so ins Gesicht,daß er eine halbe Stunde ohnmächtig war und einige Zähne verlor. Dies war der einzige gewaltsame Zwischenfall während dem ganzen Festival.

Am Vormittag wurde Frühstück verteilt. Wavy Gravy,der Leiter der Hog Farm,nannte es "Frühstück im Bett für 400000". Es bestand eigentlich nur aus Hafer- und Weizenbrötchen,die zu Brei gekocht waren und denen mit einigen Erdnüssen Geschmack zu geben versucht wurde. Als Beilage gab es gebratenes Gemüse. Es machten inzwischen schon immer mehr freiwillige Helfer bei der Hog Farm mit - es waren schon Tausende.

Am Mittag wurde es dann heiß. Viele bekamen einen Sonnenstich oder eine Lungenentzündung,weil sie zwei Tage im Regen gestanden waren. Das Programm für Samstag war: The Band,Joe Cocker,Ten Years After,Johnny Winter,Jimi Hendrix und Crosby,Stills & Nash. Auch Iron Butterfly,Pioniere des Heavy Metals,sollten eigentlich auftreten. Ventures ließ es allerdings nicht zu - man meinte,die Besucher könnten durch die harte Musik angetrieben zu randalieren beginnen.

Im Laufe des Tages geschah etwas Merkwürdiges: Jimi Hendrix lief einfach zu Fuß durch die Menge und wurde nicht erkannt! Erst als er zehn Minuten im Ausnüchterungszelt verbrachte, merkte man wer er war und brachte ihn in Sicherheit.

Ein 20jähriger junger Mann starb an einer überdosis Heroin. In einer nahe gelegenen Schule,die im Sommer geschlossen hatte, wurde ein Krankenhaus eingerichtet. Dort kamen unter anderem drei Kinder auf die Welt,und ein 18jähriger starb an einer überdosis irgendeiner unbekannten Droge - der dritte und letzte Tote während des Festivals.

Ein Hippie,der im Schlamm eine Glasflasche übersehen hatte und hinein getreten war,verblutete beinahe - er konnte gerade noch rechtzeitig gerettet werden.


Montag - Nachspiel

Gegen neun Uhr früh spielte Jimi Hendrix,der absolute Superstar. Er stimmte die Nationalhymne an - ein Moment,der in die Geschichte des RockīnīRoll einging. Danach war dann Schluss mit Love,Peace and Music.

Ventures hatte mindestens 1,3 Millionen Dollar Schulden. Kornfelds Veranstaltungsausgaben lagen bei über 150000 Dollar das war 70 Prozent über dem Budget. Langs Produktionskosten lagen bei zwei Millionen Dollar 300 Prozent über dem Budget. Sechs Wochen lang war Woodstock eine Goldgrube gewesen,wo Ausgaben völlig egal waren,jetzt aber begannen finanzielle Probleme. Ventures hatte Mannschaften für sechs Monate überstunden bezahlt,für die sie nur sechs Wochen gearbeitet hatten. Auch das Halten einer privaten Hubschrauberflotte hatte viel gekostet. Die gesamten Kosten lagen bei 2,4 Millionen Dollar Ventures hatte durch Eintrittskarten 1,1 Millionen Dollar eingenommen,davon mussten aber 600000 Dollar wegen ungedeckten Schecks abgezogen werden. Und jetzt begann auch noch der Staatsanwalt zu ermitteln,ob das Konzert überhaupt legal war. Ventures gab 600000 Dollar für Putz- und Aufräumarbeiten aus. Das Konto bei der Nationalbank war um 250000 Dollar überzogen,daher verpfändete Roberts 1 Million Dollar in Wertpapieren. Schließlich zahlte die Familie Roberts alle Schulden.

Sechs Wochen später zahlten Rosenman und Roberts Lang und Kornfeld mit 31240 Dollar pro Person aus. Dennoch waren die zwei Parteien lange Zeit zerstritten. Rosenman und Roberts beklagten sich darüber,daß Lang und Kornfeld - aber besonders Lang - die ganze Aufmerksamkeit auf sich gerissen hätten,Rosenman und Roberts seien nicht einmal im Film vorgekommen.

Nach Bericht der staatlichen Gesundheitsbehörde vom 4.Oktober 1969 gab es in Woodstock 5162 medizinische Fälle,797 dokumentierte Fälle von Drogenmißbrauch und angeblich acht Fehlgeburten. Es gab drei Tote: zwei waren an einer überdosis gestorben,einer vom Traktor überfahren worden - es gab keine Beweise,also auch keine Klagen (der Traktorfahrer war übrigens nie identifiziert worden). Anfang 1970 musste Ventures 12000 bis 18000 Karten von Leuten ersetzen,die wegen der Verkehrslage nicht hatten anreisen können.


Was nach Woodstock geschah

Wavy Gravy wollte die Dinge nach dem Festival in Bewegung halten. Er schloss mit Warner Brothers einen Filmvertrag für eine Reise der Hog Farmer durch die ganze USA ab. Irgendwie landete die Gruppe in England und reiste bis Mitte der 70er Jahre durch 13 Länder (inkl. Türkei, Indien und Nepal) und verteilte kostenloses Essen und medizinische Versorgung. Max Yasgur ging für zwei Jahre nach Israel und lernte dort den ersten Ministerpräsidenten des Landes,Ben Gurion,kennen. Yasgur starb 1973 an einem Herzanfall. Seine Witwe teilte die Farm auf und verkaufte sie. Noch heute ist der größte Teil des Geländes Weideland - Woodstock-Fans sammeln heute Spenden,um das Land zu kaufen,damit es immer in diesem Zustand bleibt.

In den 70er Jahren wurde Woodstock zu einem Klischee für alles,was in den 60er Jahren "blöd" war. Am Ende der Dekade begannen dann einige Leute, den Jahrestag des Woodstock-Festivals mit einer Feier im August zu feiern.

1978 baute ein Schweißer namens Wayne Saward ein Denkmal,das heute noch steht. Es ist eine fünfeinhalb Tonnen schwere Markierung aus gegossenem Eisen und Beton mit der Aufschrift: " Es ist unmöglich, endgültige Worte über Woodstock 1969 zu schreiben. Es ist zum historischen Symbol mit verschiedenen Bedeutungen für Tausende von Menschen geworden. "

Zum 25 Jahre Jubiläum gab es 1994 ein zweites Woodstock-Festival, das natürlich bei weitem nicht die Besucherzahlen des 69er Festivals erreichte. Dort spielten unter anderem Green Day,Aerosmith,Metallica,Cypress Hill und viele mehr,auch einige Künstler des ersten Festivals,wie Joe Cocker.

Die Sängerin Joni Mitchell hat die Stimmung und den Geist von Woodstock in einem wunderschönen Lied zusammengefasst:

I came upon a child of god
He was walking along the road
And I asked him,where are you going
And this he told me
I'm going on down to yasgur's farm
I'm going to join in a rock 'n' roll band
I'm going to camp out on the land
I'm going to try an' get my soul free
We are stardust
We are golden
And we've got to get ourselves
Back to the garden

Then can I walk beside you
I have come here to lose the smog
And I feel to be a cog in something turning
Well maybe it is just the time of year
Or maybe it's the time of man
I don't know who l am
But you know life is for learning
We are stardust
We are golden
And we've got to get ourselves
Back to the garden

By the time we got to woodstock
We were half a million strong
And everywhere there was song and celebration
And I dreamed I saw the bombers
Riding shotgun in the sky
And they were turning into butterflies
Above our nation
We are stardust
Billion year old carbon
We are golden
Caught in the devil's bargain
And we've got to get ourselves
Back to the garden

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